13.10.2008

Afrika - Fladenbrot, Honigwein und Musik: Eritreer laden zum afrikanischen Abend im Haus Regenbogen in Mössingen. Vielschichtige Einblicke in ein fremdes Land

Popcorn zum Kaffee

VON BENJAMIN DÜRR

Eine Frau bei der eritreischen Kaffee-Zeremonie: Fünfmal wird der Kaffee gekocht, dann erst in kleinen Tassen ausgeschenkt. FOTO: DÜRR
Eine Frau bei der eritreischen Kaffee-Zeremonie: Fünfmal wird der Kaffee gekocht, dann erst in kleinen Tassen ausgeschenkt.

ine Frau bei der eritreischen Kaffee-Zeremonie: Fünfmal wird der Kaffee gekocht, dann erst in kleinen Tassen ausgeschenkt.
FOTO: DÜRR


MÖSSINGEN. Injera ist säuerlich. Schmeckt wie Brot und sieht ein bisschen aus wie ein Schwamm. Ichnera wird in großen Pfannen gebacken, ähnlich wie ein Pfannkuchen, wird als Hauptmahlzeit und mit verschiedenen Soßen gereicht. Gegessen wird mit den Fingern - aus Achtung vor dem Essen, »denn Messer oder Gabel werden als Waffe gesehen«, erklärt Ghezaie Cuflon. Vor vielen Jahren ist er von Eritrea, dem kleinen Land im Nordosten Afrikas gelegen, nach Bästenhardt gezogen. Wie 25 andere Familien auch, die heute in Mössingen wohnen und am Samstagabend zu afrikanischer Kultur und eritreischem Essen eingeladen haben.

»Die deutschen Mitbürger sollen das Land besser kennen lernen«, sagt Dines Christen, der Vorsitzende des Vereins »Bürger für Bästenhardt« (BfB), der gemeinsam mit Familie Cuflon und einer Hand voll weiterer eritreischer Mössinger den ersten »Tag Eritreas« initiiert hat. »Geplant ist, jedes Jahr ein anderes Land vorzustellen.« Dass den Anfang ein Land am schwarzen Meer machte, das auf der Weltkarte nur ein kleiner Fleck ist, »liegt doch auf der Hand«, sagt Dines Christen und fügt hinzu: »In Mössingen gibt es sehr viele eritreische Einwanderer«, 15 Familien allein in Bästenhardt.

Die meisten sind nach mehreren Kriegen zwischen dem großen Äthiopien, im Süden, und dem kleinen Eritrea nach Deutschland ausgewandert, »inzwischen fühlen wir uns hier sehr wohl«, sagt Ghezaie Cuflon. Seine Frau bewirtet die Gäste mit Injera, dem Fladenbrot. Und mit Mes, einem Wein aus Honig und Wasser, der die Süße von Apfelsaft und die Säure von Bier hat.

Der Alkohol wirkt

Mehrere Tage gärt das Getränk, in kleinen kugelförmigen Flaschen wird es aufgetischt und Ghezaie Cuflon warnt: »Der Alkohol im Mes wirkt!« Essen und Trinken, sagen Cuflon und Christen, sei nur ein Teil des Abends, eine kleine Führung durch Tigrina, die Sprache der Eritreer, ein bisschen Landeskunde, Geschichte und Politik, afrikanische Spiele und Musik gehörten genauso zum umfangreichen Programm.

»Wir hatten mit mehr Besuchern gerechnet und hätten uns mehr Interessierte gewünscht«, sagt Dines Christen - und die Enttäuschung ist bei ihr durchaus zu spüren. Nur knapp vierzig Besucher sind am Samstagabend ins »Haus Regenbogen« in Mössingen gekommen. Das letzte Mal habe es diesen Kulturen-Abend aber trotzdem nicht gegeben, versichert Christen.

Unterdessen beginnt die Kaffee-Zeremonie, fünfmal wird er gekocht und dann in kleinen Tassen ausgeschenkt. Embaba gibt es dazu, salziges Popcorn, Bohnen und Nüsse. Das weiße Popcorn zum schwarzen Kaffee mahne zur Ehrlichkeit »beim Schwätzen und Kaffeetrinken«, erklärt Ghezaie Cuflon und er ergänzt mit einem Schmunzeln: »In Eritrea trinken vor allem Frauen Kaffee.« (GEA)

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