Leserbrief zum Artikel -"Afrikaner wollen keine Hilfe mehr" VON MARC ENGELHARDT in der taz vom 06.04.09

"Afrikaner wollen keine Hilfe mehr"

Von Christian Glaunsinger


Zu allem Übel stützt sogenannte Entwicklungshilfe schlechte Regierungen in Afrika. Diese können unbeschwert der Korruption frönen und Misswirtschaft befördern. Kommt es zur Katastrophe, werden diese nicht etwa auf eigene Fehler zurückgeführt, sondern von den Gebern raschere Hilfe gefordert. Am Beispiel Äthiopiens lassen sich die vielfältigen negativen Folgen der Entwicklungshilfe leicht zeigen. Entwickelt hat sich dort über Jahrzehnte in erster Linie Afrika's größte und bestausgerüstete Armee. Die Großzügigkeit der USA aber auch EU bezahlen die Äthiopier mit steigendem Einfluss von AfriCom und fragwürdigen Interventionen in Nachbarländern, sowie der Bedrohung der Bauern durch Agrarkonzerne und deren aggressiven Expansion. Sogenannte Katastrophen werden uns von dort alle 3 Jahre präsentiert. Dabei handelt es sich erstens nicht wirklich um außergewöhnliche Naturphänomene, sondern um die Folgen einer politischen Katastrophe; dem Festhalten an einem Monopol des Staates am Boden mit verheerenden Auswirkungen und einer ansonsten weitgehenden Vernachlässigung der Bevölkerung auf dem Lande.

Journalisten werden häufig in ausgewählte Gebiete gefahren, welche von jeder Versorgung abgeschnitten wurden um die Aktivitäten von Rebellen und deren Unterstützung durch die Bevölkerung auszuhungern. Ankommende Hilfe landet oft genug gar nicht bei den Hungernden, sondern bei genau dem Militär, welches diese Repression ausübt. Ein Ende der ’Entwicklungshilfe’ würde diese ganzen verheerenden Folgen eben nicht mehr abfedern, sondern der Bevölkerung vor Augen führen, welch rücksichts- und verantwortungslose Regierung sie bislang erduldet. Und genau dies würde in vielen Provinzen, Städten und Ländern Afrikas zu Opposition, Protest und Aufständen führen, welche das Aus korrupter und inkompetenter Regierungen bedeuten würde und letztlich solche hervorbrächte, welche die elementaren Bedürfnisse der Völker wahr- und ernst nähmen. Ein weiter so wird den jämmerlichen Staus Quo Afrikas hingegen konservieren, bis China sich mit noch konsequenteren und verantwortungsloseren Stützungmaßnahmen etablieren kann.

Christian Glaunsinger