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Toter Junge: Mutter entlastet

16.06.2008 - aktualisiert: 16.06.2008 17:53 Uhr

28-Jährige verlässt Psychiatrie

Stuttgart - Die Mutter des eineinhalbjährigen Jungen, den die Polizei am Pfingsten tot in der Wohnung von Mutter und Kind im Stadtteil Hausen entdeckt hatte, ist am Montag auf richterlichen Beschluss aus der Psychiatrie entlassen worden. Die Todesursache des Jungen bleibt weiterhin unklar.

Gegen die 28 Jahre alte Mutter bestehe "kein dringender Tatverdacht" mehr, teilt die Polizei am Montag auf Anfrage mit. Das Ermittlungsverfahren gegen die einzige Beschuldigte sei aber noch nicht zu Ende, ergänzt die Staatsanwaltschaft.

Bevor der Haftrichter den Unterbringungsbefehl im Zentrum für Psychiatrie in Weissenau aufhob, war die 28-Jährige am Montag nochmals umfänglich befragt worden. "Meine Mandantin sieht sich für den Tod ihres Kindes nicht verantwortlich und schreibt sich keine Schuld zu", fasst Pflichtverteidiger Hans-Christian Wolff zusammen. Allerdings müsse man die schwierige psychische Situation der Frau berücksichtigen. So sehe sie ein, dass sie nach wie vor ärztliche Hilfe einer Klinik benötige.

Nicht nur die Mutter ist ratlos wegen des Todes ihres einzigen Kindes. Auch die Obduktion der Leiche, die Laboruntersuchungen und die Befragungen der Nachbarschaft haben bisher Aufklärung gebracht.

Der Junge war am Pfingstsonntag gegen 22 Uhr von Polizeibeamten in der Wohnung von Mutter und Kind im Stadtteil Hausen entdeckt worden. Eine Nachbarin hatte sich Sorgen gemacht, nachdem sie beide lange nicht gesehen hatte. Als die Polizei die Wohnungstür aufbrach, stieß sie auch auf die verstörte Mutter. Es stellte sich heraus, dass der im Dezember 2006 geborene Junge bereits seit mehreren Wochen tot war.

Weder der Vater noch sonstige Familienangehörige haben sich seit der Entdeckung des toten Jungen bei den Behörden gemeldet. Die Mutter, die mit 14 Jahren als Bürgerkriegsflüchtling von Eritrea nach Deutschland kam und längst die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, lebte offenbar ganz auf sich alleine gestellt im Stuttgarter Norden. Hilfe vom Sozial- oder Jugendamt nahm sie nicht in Anspruch. "Zeugen schildern sie als rührend besorgte Mutter", sagt Rechtsanwalt Wolff. "Das ist eine sehr traurige Geschichte." Er geht davon aus, dass der Junge eines natürlichen Todes starb und das Verfahren gegen die Mutter eingestellt wird.

Michael Isenberg, StN