Stuttgarter Nachrichten - 17.03.2007

Fellbacher Waisenhaus in Dekemhare

Hilfsprojekt für Eritrea


Fellbacher Waisenhaus in Dekemhare

Hilfsprojekt für Eritrea


FELLBACH. Der Plan ist Realität geworden, alle Hoffnungen der Fellbacher Gruppe des Eritreischen Hilfswerks haben sich erfüllt. Der Oeffinger Jens Würfel hat sich davon überzeugt: seit November ist das kleine Waisenhaus in Dekemhare mit Leben erfüllt.

Von Eva Herschmann

Mehret ist 40 Jahre alt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, das einzige Kind ist aus dem Haus. Doch Mehret hat eine neue Aufgabe gefunden, die sie mit viel Liebe und der nötigen Autorität ausfüllt: Seit November 2006 ist sie Mutter von zehn Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren. Sie leitet, unterstützt durch eine Halbtagskraft, das kleine Waisenheim in Dekemhare.

Jens Würfel ist beeindruckt von dieser Frau: "Die Kinder sagen Mama zu ihr, das ist einfach klasse." Der Fellbacher Arbeitskreis des Eritreischen Hilfswerks Deutschland (EHD) hat den Bau und die Ausstattung des Waisenhauses mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung ermöglicht. Die Aktivisten um den Oeffinger Zahnarzt wollten nach dem Erfolg mit einem nach Eritrea exportierten Zahnmobil dem afrikanischen Land weiter helfen. 2003 wurde die Idee geboren, ein kleines Waisenhaus zu bauen. Jetzt haben zehn Kinder - Aids- und Kriegswaisen - dort ein neues Zuhause gefunden.

Um das Projekt Realität werden zu lassen, machte die Fellbacher Gruppe um Jens Würfel in Oeffingen und Umgebung mobil, aktivierte die Schillerschule Oeffingen, den Flattichkindergarten in Freiberg am Neckar sowie Unternehmer zur tatkräftigen Unterstützung. Sie sammelten Geld und fertigten Möbel an, die mit vielen anderen Sachspenden nach Eritrea verschifft wurden.

Nun haben der Vorsitzende des EHD, Martin Zimmermann, und sein Vorstandskollege Würfel das Waisenheim in Dekemhare besucht. Sie überzeugten sich persönlich davon, dass alle Sachspenden angekommen sind und die Kinder sich wohlfühlen, und sie legten die Grundlagen für eine längerfristige Partnerschaft mit dem Waisenheim.

"Es war ein herzlicher Empfang", erzählt Würfel. Doch dann habe man gleich zugepackt. Bei einem Arbeitseinsatz baute die deutsche Delegation verschiedene Möbelstücke zusammen - vom großen Esstisch bis hin zur Wäschebox - und lüftete zur Freude von Mehret das Geheimnis, wie sich die Trommel der Waschmaschine öffnen lässt. Die Eritreerin kannte bislang nur Toplader. Große Augen machten Mutter Mehret und ihre Kinder, als kleine Geschenke aus Oeffingen überreicht wurden: ein Fotoband der Stadt Fellbach und Bilder, die von Kindern der Schillerschule für die Waisenkinder in Dekemhare gemalt wurden. "Jede Klasse will mit einem Kind des Waisenheims eine Partnerschaft eingehen, schreiben, kleine Geschenke an Weihnachten und Geburtstag schicken", sagt Würfel.

Auch der Vorsitzende des EHD, Martin Zimmermann, war beeindruckt: "Hier hat sich gezeigt, dass sich der großartige Einsatz von Fellbacher Bürgern, Schulen und Unternehmen gelohnt hat und die Hilfe angekommen ist."

17.03.2007 - aktualisiert: 17.03.2007, 06:15 Uhr