Pläne für die Zeit nach dem Öl

Das "Tor der Tränen". Bild: NASA

Der Geologe Roelof Dirk Schuiling von der Universiteit Utrecht veröffentlichte im neuen Journal of Global Environmental Issues den zusammen mit dem rumänischen Physiker Viorel Badescu, dem amerikanischen Anthropogeomorphologen Richard Cathcart, dem niederländischen Chemiker Jaap Hanekamp und dem libanesischen Umwelttechniker Jihan Seoud verfassten Aufsatz "Power from closing the Red Sea: economic and ecological costs and benefits following the isolation of the Red Sea", in dem die Wissenschaftler Kosten und Nutzen eines Dammes diskutiern, welcher an der zwischen Eritrea, Dschibuti und dem Jemen gelegenen Meerenge Bab-el-Mandab das Rote Meer sperren und damit 50 Gigawatt Strom produzieren soll. Dafür wären sonst 15 oder 16 der derzeit modernsten und größten amerikanischen Kernkraftwerke notwendig.

Bab-el-Mandab heißt übersetzt "Tor der Tränen". Ein Staudamm dort würde das Einfließen von Meerwasser aus dem Indischen Ozean in das Rote Meer unterbinden, welches deshalb langsam verdunsten würde. Durch das Sinken des Meeresspiegels in dem so geschaffenen neuen Binnengewässer könnte das Einfließen von Wasser aus dem Indischen Ozean zur Energieerzeugung genutzt werden. Für die Straße von Hormus, die den Iran vom nordöstlichen Zipfel der arabischen Halbinsel trennt, haben Schuiling, Badescu und Cathcart bereits vor zwei Jahren ein ähnliches Projekt vorgeschlagen: Es würde die Ölstaaten Irak, Kuwait, Bahrain und Katar praktisch zu Binnenstaaten machen.

Die dadurch absehbaren politischen Probleme sind auch das potentiell größte Hindernis für ein Bab-el-Mandab-Projekt: Der Staudamm würde nicht nur zahlreiche saudische, ägyptische, sudanesische, eritreische, jordanische und israelische Häfen und den kompletten Suezkanal nutzlos machen, sondern auch den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich verlängern. Aus diesem Grund sehen die Wissenschaftler das Projekt als eines für eine nicht ganz so nahe Zukunft an, in der die Ölvorräte weitgehend erschöpft und viele Häfen der genannten Staaten möglicherweise weitgehend überflüssig sind.

Den durch die Schließung des Suezkanals verbundenen höheren Transportaufwand wollen die Wissenschaftler unter anderem dadurch mildern, dass weniger Rohstoffe von Asien nach Europa transportiert werden und stattdessen mit Hilfe des neu erzeugten Stroms in Afrika oder auf der arabischen Halbinsel verarbeitet werden solle. Ideal dafür eignen würde sich ihrer Ansicht nach die Aluminiumherstellung. Der dafür notwendige Rohstoff Bauxit wird derzeit in großen Mengen von Australien und Indien nach Europa verschifft.

An Nachteilen zählen die Wissenschaftler neben Einschränkungen für Schifffahrt und Fischerei auch Umsiedlungen und Umweltschäden auf. Betroffen wären unter anderem Korallenriffe, die durch den sinkenden Wasserspiegel austrocknen würden sowie Krabben und Fische, die sich möglicherweise nicht ohne weiteres an den höheren Salzgehalt anpassen könnten.
Peter Muehlbauer09.12.2007

Kommentare lesen (36 Beiträge)
Du bist leider nicht der erste mit dieser Idee
habe ich nicht vergessen
Ganz genau